Manchmal kommt es anders als man denkt...
11.06.26 (Michaela)
Nach einem auch für die Einheimischen recht ungewöhnlich kalten, windigen und mit viel Regen durchsetzten Winter haben wir uns am 25.Mai von Licata verabschiedet und unsere Segel Richtung Osten gesetzt.
Eigentlich war ja unser Plan, in diesem Sommer nach so vielen Jahren mal wieder nach Sardinien zu segeln, aber nachdem wir nahezu 3 Wochen lang vergeblich auf stabilen Ostwind warteten, haben wir dann einfach unsere Pläne geändert.
Also ging es der Südküste entlang Richtung Osten, dann um die Südostspitze und Richtung Norden, um letztendlich durch die Straße von Messina vom Ionischen Meer ins Tyrrhenische Meer zu fahren. Dann erst wollten wir uns entscheiden, wie es weiter geht: der Nordküste Siziliens entlang und dann rüber nach Sardinien oder das italienische Festland Richtung Norden - mit Ziel ?, noch keine Ahnung.
Aber da wir keine festen Termine haben, ist es nicht so wichtig, wohin wir segeln - Hauptsache ist: sicher, schön, entspannt, ohne irgendwelche Probleme (technisch sowie gesundheitlich), einfach eine schöne Segelsaison zu haben.
Und so ging es am 25.Mai los mit einem wunderschönen Segeltag, erster Ankerplatz war östlich der Marina di Ragusa. Weiter ging es dann am nächsten Tag bei nahezu keinem Wind (aber wir haben das Beste segeltechnisch daraus gemacht) bis zur Punta delle Formiche, kurz vor dem südlichsten Punkt Siziliens. Unter „Rauschefahrt“ konnten wir am nächsten Tag um die Südostspitze und die Nordküste Siziliens entlang bis südlich von Syrakus segeln. In Fontane Bianche ließen wir den Anker auf Sand fallen, das türkise Wasser lud zum Baden ein, und so entschlossen wir uns, einfach mal einen Tag Pause und Genießen einzulegen. Genau so hatten wir uns den Start in die Segelsaison gewünscht! Bislang war jeder Tag ein Traum!
Als nächsten Punkt hatten wir uns Syrakus ausgesucht, wo wir ein paar Tage blieben und u.a. die schöne Altstadt auf der Insel Ortigia mit ihren geschichtsträchtigen Gebäuden durchstreiften.
Hier ein paar Eindrücke von Syrakus:
Hier in Syrakus kam auch der Außenbordmotor unseres X5 zum ersten Mal in dieser Saison zum Einsatz. Und obwohl Sven mittlerweile seit Jahren am Ende der Segelsaison als einen Baustein des Einwinterprogramms den Außenborder laufen lässt, bis sich kein Benzin mehr im System befindet, um zu verhindern, dass die dem Benzin zugesetzten Biostoffe den Vergaser verkleben, ist nun nach etlichen Jahren genau das passiert. Zu bemerken daran, dass der Motor hochtourig ganz brav seine Arbeit macht, aber bei geringer Drehzahl bzw im Leerlauf ausgeht. Ist dann recht doof, denn ein Rangieren zu / von einer Anlegestelle ist nicht mehr möglich - in Vollfahrt muss also das Ziel anvisiert werden, dann Motor aus und hoffen, dass man nicht zu schnell aber eben doch noch in Fahrt irgendwie das Ziel (hier an Bord ist dies z.B. eine Leine am Heck) zu fassen bekommt. Sonst müssen die Notpaddel zu Hilfe genommen werden… (Wir hatten das Problem schon einmal vor 5 Jahren und hatten damals das Glück, dass der Mechaniker in Balestrate, einem kleinen Ort an der Nordküste Siziliens, das Problem sofort erkannte und lösen konnte.)
Wir versuchten mit Hilfe der Marina, in Syrakus einen Mechaniker zu finden, der den Vergaser reinigen kann, aber leider war der Mechaniker zu beschäftigt und wollte sich erst in ein paar Tagen darum kümmern. Diese Aussage war uns dann doch zu vage, und so entschieden wir uns, ins ein paar Meilen weiter nördlich liegende Augusta zu verlegen, da wir wussten, dass es in Augusta eine Werft gibt und somit die Chancen, unser Problem zu beheben, entsprechend steigen.
Letztendlich dauerte es dann 2 Tage (1,5 Tage Versprechungen, aber dann wurde mit ein wenig wohltemperiertem Druck unsererseits der Vergaser ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut. Seitdem fährt unser X5 wieder zuverlässig!
Nun konnten wir unseren Weg in Richtung Straße von Messina beruhigt (weil alles wieder 100% in Ordnung) fortsetzen.
Am 05.06. geht es von Augusta Richtung Norden, wieder ein schöner Segeltag. Wir wollen in der Nähe der Marina Riposto ankern und uns Riposto ansehen, aber das müssen wir dann bleiben lassen. Es gibt in der Nähe keinen geeigneten Ankerplatz für uns: entweder zu nahe am Strand oder das Wasser ist zu tief (50Meter und mehr). Erst ein paar Meilen weiter nördlich können wir mit einem Abstand von ca 350Meter vom Strand im 17Meter tiefen Wasser den Anker fallen lassen. Auch nicht so schlimm: dann muss Riposto halt warten….
Blick auf den Ätna abends und morgens:
Zwei Tage später verlegen wir nach Taormina, wo wir direkt unter der Stadt mit einigen wenigen anderen Schiffen die Aussicht genießen können.
Unter sehr böigem Wind geht’s am nächsten Tag weiter, nördlich des Capo Scaletta gibt es die letzte Möglichkeit zu ankern, bevor man in die Ankersperrzone der Straße von Messina einfährt.
Die Durchfahrt der Straße von Messina am 09.06. zeigt sich diesmal wieder von einer uns noch nicht bekannten Seite.
(Wir hatten vor 3 Jahren bei der Nord-Süd-Fahrt ein heftiges Gewitter, im letzten Jahr war es auf der Süd-Nord-Fahrt sehr entspannend und wunderschön.)
Diesmal gibt es statt der vorhergesagten bis zu 17Knoten Wind bis zu 28Knoten gegenan, also auch entsprechende Wellen! Recht ungemütlich, aber abzuwarten hat auch nicht viel Sinn, denn man sollte sich bei der Durchfahrt schon nach dem Strömungskalender richten, und dann wäre die nächste Möglichkeit entweder am gleichen Tag abends oder eben erst am nächsten Tag gewesen - allerdings auch da mit derselben Wettervorhersage. Also - Augen auf und durch!
Sehr interessant: nach 2/3 des Weges zwischen Messina und dem nördlichen Ausgang der Straße gehen innerhalb von 500Metern die Wellen zurück und der Wind legt sich.
Wir ankern nun ganz allein westlich des nördlichen Endes der Straße von Messina - bei ganz leichten Winden und türkisblauem warmem Wasser, das zum Baden einlädt, fühlen wir uns wie im Urlaub!
Unsere Strecke seit dem Ablegen in Licata
Wie schon erwähnt war der Winter in Licata wettermäßig leider nicht so, wie wir es uns gewünscht hatten, aber sowohl aus Medienberichten als auch Unterhaltungen mit Segelfreunden in den verschiedensten Revieren war dann schnell klar, dass es uns im Süden Siziliens größtenteils noch besser geht als den Seglern in Portugal, Spanien, Kroatien und Griechenland. Selbst in Agios Nikolaos gab es in diesem Jahr viel mehr Regen, Stürme - einhergehend mit kalten Temperaturen.
Hagel in Licata:
Als dann auch noch Zyklon Harry vom 19.-22.Januar über Malta und Sizilien zog und eine lange Spur der Verwüstung an der Ost- und Südküste Siziliens sowie auch noch an der Ostküste Sardiniens hinterließ, war uns klar, dass wir mit Licata noch die beste Wahl getroffen haben. Denn während „Harry“ in den Häfen von Messina, Riposto, Catania, Syrakus etc. viel Schaden angerichtet hat und Boote teilweise hat sinken lassen, gab es in Licata zumindest an den Schiffen keine nennenswerten Schäden zu berichten.
(Die maximale Wellenhöhe betrug 16,6Metern, gemessen zwischen Sizilien und Malta, Wellen von bis zu 10Metern prallten auf die Ost- und Südküste Siziliens.)
Angefühlt hatte es sich an Bord wie ein schwerer Sturm, der über mehrere Stunden über uns hinwegzieht und zum ersten Mal, seit wir Licata kennen, gab es richtigen Schwell in der Marina. Aber Gott sei Dank haben wir (sprich auch unsere ODIN-X und auch unser X5) alles gut überstanden - eigentlich wurden uns erst die Knie weich, als wir später von dem Ausmaß der Verwüstungen gehört haben, und uns dann erst klar wurde, welch großes Glück wir hatten.
Auch in unserer Marina gab es Schäden vom Sturm an den inneren Wellenbrechern.
(Sven)
Im Januar war es uns gelungen, bei Ebay einen überholten Steuercomputer und Bedieneinheit für den alten Autopiloten zu ergattern. Als Redundanz für Notfälle haben wir den zum Umschalten eingebaut gelassen als wir 2019 neue Instrumente und den Autopiloten der neuen Generation bekamen. Leider hat er letztlich den Kurs nicht mehr gehalten und ich bat die „Türken“ um Reparatur. Mehrere Versuche zeigten nur die elektrische Inkompetenz der Werft auf und von unserem Elektriker in Licata erfahren wir, das die Türken wohl mit einem Kurzschluss das Gerät zerstört hatten. Nun hatten wir die Einheiten „neu“ und Giuseppe baute sie ein - es funktioniert wieder. Weiter baute er uns die zwei Bedienpanele für Heizung und Klimaanlage um, da die alten beschädigt bzw. defekt waren. Es waren von dieser Gerätegeneration die beiden letzten Stücke, die wir bei einem italienischen Internethändler auftreiben konnten. Nun läuft bei Bedarf auch unsere 230V- Heizung und Aircondition wieder. Das macht uns sehr zufrieden - auch wenn es nur back-up Systeme sind. Wir möchten, daß alles was sich an Bord befindet auch bei Bedarf funktioniert !
(Michaela)
Herausragende - schöne - Ereignisse während der Frühjahrsmonate waren (in chronologischer Reihenfolge)
- jeden Sonntag bei Schönwetter (sprich OHNE Regen) Frühschoppen mit Livemusik in „Macramè“, einer Bar an der neuen Promenade
- An einem Samstag im März eine Einladung der Marina, als Dank an die Bootsleute, Licata für ihren Liegeplatz gewählt zu haben
- Anfang April der Besuch unserer Tochter und gemeinsamer Kurzaufenthalt in Catania (hier ein paar Eindrücke aus dieser schönen Stadt):
- Ende April Entscheidungsrennen der Nationalen Sceadoo Meisterschaft mit Feier in der Marina mit abschließendem Feuerwerk
- und nicht zu vergessen: immer wieder mal eine kleine nette Feier mit den Stegnachbarn vom Pontoon L1 (hier zum Beispiel Pinars Geburtstag)
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